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Krieg; keinen Frieden.

„Wir haben schon zuviele Kompromisse gemacht, zuviele Rückschläge erfahren. Sie dringen in unseren Raum ein und wir weichen zurück. (…) Doch jetzt nicht! Hier wird der Schlussstrich gezogen! Bis hierher und nicht weiter! Und ich…ich werde sie bezahlen lassen für ihre Taten.“
(-Cpt. Picard, „Star Trek VIII: Der erste Kontakt“)

Noch immmer habe ich den Geschmack von Kupfer auf meiner Zunge. Irgendwie habe ich es nie geschafft, zu vergessen, wie sich Sand zwischen Zähne und die Angst im Genick anfühlen. Die Angst auf dem Heimweg und die verzweifelte Wut zuhause. In all den Jahren floss soviel Wasser die Elbe runter und noch immer balle ich wütend die Fäuste in den Taschen, dass die Knöchel weiß hervorstechen.
Ich war nie ein Freund von Grauzonenromantik. Zwischen dem Feind und uns eine klare TRennungslinie ziehen. Und hier stehe ich, mit einem kleinen Ast zwischen den Fingern, um eine Linie in den Sand zu ziehen. Direkt neben meinem Gebissabdruck.
Irgendwo hier sitzt der Mann, der einmal der Junge mit den großen, schiefen Zähnen, der großen Brille und den zu großen Pullis war. Der Nerd, der Nerd war, bevor Nerdtum als cool anerkannt wurde. Der Verlierer mit den bunten Haaren. Der, dem man besser nicht über den Weg traute. Der Kinderfresser. Der verzweifelte, wütende Jugendliche.
Es ist komisch, Euch heute zu sehen. Wie ihr Fotos von Euch auf der befickten Halfpipe postet oder mich mit unsicherem Lächeln in den Straßen grüßt, nachdem ihr Euch gewahr geworden seid, um wen es sich bei Eurem Gegenüber handelt. Aber es gibt keinen Frieden, keine Freundschaft. Weder auf der Straße noch im Internet, wo ihr nicht davor zurückschreckt, mich anzukumpeln und Eure Sätze beginnen mit „Weißt Du noch…?“ Natürlich weiß ich noch. Und es ist ein gutes Gefühl, Eure die Situation abschätzende Reaktion zu sehen, sobald ich den Mund aufmache, rede und die Worte klar und verständlich – ohne Stottern, ohne Selbstzweifel – meinen Rachen verlassen: „Ich denke nicht, dass wir uns was zu sagen hätten?“
Ich denke nicht, dass wir uns was zu sagen hätten. Was denn auch? „Hallowiegehts?achmussjaundselbst?bisbald!“ „Lass mal Nummern tauschen. Ich ruf Dich an, ganz sicher.“ Na klar.

Die beste Waffe bleibt, ein gutes Leben zu führen.