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Das Fehlen der Luft am Ende der Sätze.

Die Münder sind längst trocken und zerredet. Es wurden Gedanken geteilt und Ansichten dargelegt; wie Pantomimen wurden Hände gewedelt, Augenbrauen hochgezogen und Köpfe geschüttelt, bis es verdächtig im Genick knackte. Soviel Übereinstimmung, soviel Die-Dinge-Anders-Sehen. Und dennoch bleibt der Stand, der seit so vielen Monaten steht.
Und dann der Moment mit den Karten auf den Tisch; die Situation vom Kind und seinen Namen: Doch scheinbar sind die Arme und Augenbrauen und Köpfe längst taub vom wedeln, hochziehen, schütteln. Und am Ende der Sätze bleibt nicht einmal genug Luft in der Lunge, um auch nur Ansätze grob zu zeichnen und das Zurechtgelegte wiederzugeben.
Also macht man das, was man kann (was man unter Umständen am Besten kann) und greift – völlig oldschoolig – zum Stift und blutet Tinte aufs Papier.

Run, Yoshimi, run!

Alles um mich herum spiegelt den Verlauf meines Inneren der letzten Jahrzehnte wieder. Man könnte sich die Chronologie meiner CD- und Plattensammlung anschauen und sie würde so viel über mich aussagen, wenn man bereit wäre, zwischen den Zeilen (soll heißen: Scheiben) zu lesen: Der sorglose, unbekümmerte Techno, gefolgt vom wütenden Punkrock. Der melancholische Singer-Songwriter-Kram. Der verkopfte Indierock. Der hoffnungsvolle Britpop. Der verzweifelte Emokram. Und was immer wieder und nach allem blieb, sind die Klänge, die mein Herz nie verlassen wollten. Ich habe sie – ehrlich gesagt – auch nie darum gebeten.
Ich blicke auf so unsagbar viel geschriebene Worte, Sätze und Zeilen zurück. An einen Großteil erinnere ich mich selbst nicht mehr und frage mich beim Wiederentdecken so manches Mal erstaunt: „Das habe ich geschrieben?“ Einiges lässt mich die Stirn runzeln, manches lässt mich schmunzeln, vieles macht mich lächelnd. Und alles ergibt eigentlich erst einen Sinn, wenn man es im Bezug auf die Veröffentlichung bzw auf das Datum des Verfassens sieht. Dann macht plötzlich alles Sinn. Und im Hintergrund läuft „The Masterplan“ von Oasis, ein Song, der eigentlich viel zu gut für eine B-Seite war und ist.
Ich habe ein paar meiner alten Texte ausgegraben, mehr aus einer melancholischen Situation heraus denn aus Stolz über die eigenen lyrischen (*hüstel*) Ergüsse. Es ist spannend und nicht alles ist schlecht. Wenngleich das meiste eigentlich mal ordentlich überarbeitet und aufpoliert werden sollte. Egal. Ich denke, ich werde ein paar dieser im Keller verstaubten Miniaturmodelle meiner Seele aus dem Keller meines Geistes in das Licht des Tages zerren. Denn, ist es nicht folgendermaßen: Es kann noch so dunkel sein, irgendwie ist da doch immer ein wenig Hoffnung, oder? Wenngleich auch nur in Form eines Songs, der Dein Herz berührt. Oder in Form eines fast schon vergessenen Textes. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken: Egal, wie spät es jemals für mich sein sollte: Ich hoffe, dass die Lonely Hearts Club Band am Straßenrand steht, während ich mit eingezogenem Kopf vorbeistapfe und mir einen letzten Song spielt.